Die Suche nach dem Transformationsgedächtnis

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Perspektive des Prozess-Beraters. Mein Name ist Christoph Deeg und ich berate seit nunmehr 15 Jahren Organisationen bei umfassenden und nachhaltigen Transformationsprozessen. Ausgangspunkt ist immer die Suche nach einer digital-analogen Gesamtstrategie. Die Betonung liegt dabei auf „digital“ und „analog“ als zwei miteinander verbundene Elemente.

Die Ausgangslage im Haus am Westbahnhof klang zunächst einfach: Man hatte es während der Pandemie geschafft, die digitalen Ressourcen des Hauses massiv auszubauen. Nun sollte es darum gehen, diese Ressourcen bestmöglich zu nutzen.

Der erste Workshop begann damit, dass ich eine Führung durch das Haus bekam. Im Keller entdeckte ich eine kleine Galerie bzw. eine kleine Ausstellung. In riesigen Bilderrahmen hingen Bilder aus der Zeit, als das Kulturzentrum erbaut wurde. Das Kulturzentrum wurde nämlich von einer kleinen Community geplant und errichtet. Eine Gruppe von Menschen wollte einen Kulturort schaffen und entschieden schließlich die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie transformierten eine Fläche in einen Kulturort und wurden dadurch selbst transformiert. Und diese kleine Ausstellung zeigte diese Geschichte: ich hatte das Transformationsgedächtnis des Kulturzentrums am Westbahnhof gefunden.

Wann immer ich umfassende und nachhaltige Transformationsprozesse gestalten darf, suche ich zuerst nach dem Transformationsgedächtnis. Sehr oft haben Organisationen vergessen, dass Sie nicht zum ersten Mal vor einem Transformationsprozess stehen. Und sehr oft wird der aktuelle Transformationsprozess als besonders schwierig wahrgenommen. Veränderung bedeutet immer eine Kraftanstrengung. Es entstehen Phasen der Instabilität in denen sich die Mitglieder einer Organisation neu koordinieren müssen. Viele Organisationen verfügen aber über Erfahrungen, Rituale und Narrative des Wandels. Sie verfügen zudem über Muster und Denk- und Handlungsweisen, mit denen sie in Krisensituation reagieren können. Und ich versuche, diese Ressourcen zu finden und zu aktivieren. In manchen Fällen geschieht dies durch Workshops aber im Haus am Westbahnhof habe ich eine andere Idee: Ich habe vorgeschlagen, dass wir im Keller neue, leere Bilderrahmen aufhängen um dort Bilder aufzuhängen, die den aktuellen Transformations- und Entwicklungsprozess darstellen. Somit soll gedanklich eine Verbindung zu den Ursprüngen des Kulturzentrums hergestellt werden.

Natürlich ist dies nur ein Element des Transformationsprozesses. Ebenso wichtig ist die Arbeit an den vorhandenen Prozessen etc. Denn erst dann, wenn wir uns auf den Weg machen, kann auch das Transformationsgedächtnis erweitert werden.

In einem der nächsten Beitrage aus der Rubrik „die Beraterbrille“ werde ich über die Modelle schreiben, die ich in diesem Prozess anwende.

Christoph Deeg

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